Als ikonisches Nationaldenkmal im Herzen von Amsterdam fühlt sich die Beurs van Berlage der Stadt, ihren Bewohnerinnen und Bewohnern sowie zukünftigen Generationen in besonderem Maße verpflichtet. Nachhaltigkeit ist dabei keine eigenständige Marketingbotschaft, sondern ein zentraler Unternehmenswert. Während die internationalen Kongresse und hochwertigen Corporate Events, die in unseren Räumlichkeiten stattfinden, auf maximale Wirkung ausgerichtet sind, setzt die Organisation alles daran, ihren ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten – mit dem klaren Ziel, die Beurs van Berlage bis 2050 klimaneutral zu machen.

Eine Schlüsselfigur in diesem Wandel ist seit April Teil der Organisation: Marieke Dijkman. Als erste Nachhaltigkeitsmanagerin der Organisation gibt sie der Nachhaltigkeitsstrategie eine klare Richtung. Dabei schafft sie Strukturen, fördert Innovationen, ergreift Initiativen und begleitet Menschen aktiv auf dem Weg der nachhaltigen Transformation.


Die Position der Nachhaltigkeitsmanagerin ist neu bei der Beurs van Berlage. Was hat Sie dazu bewegt zu sagen: Genau diesem Thema möchte ich meine berufliche Laufbahn widmen?

‘Mit dieser Funktion zeigen wir, dass Nachhaltigkeit kein isoliertes Projekt ist, sondern ein strategischer Bestandteil der gesamten Organisation. Innerhalb der Börse wurde bereits viel unternommen, aber durch die Verknüpfung mit einer klar definierten Rolle entstehen Fokus, Zusammenhalt und Beschleunigung. Das Thema erhält dadurch Verantwortlichkeit und Kontinuität. Das passt zu unserer Vision Leading the Change: Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und danach zu handeln. Denn man baut keinen Deich erst während des Sturms – es geht darum, vorausschauend zu handeln; die Zeit zum Handeln ist jetzt.

Für mich geht es bei Nachhaltigkeit außerdem nicht um ein „Müssen“, sondern darum, wie man eine Organisation zukunftsorientiert gestaltet und wie man jeden Tag ein wenig mehr Wirkung erzielen kann. Oder wie ein chinesisches Sprichwort – aus einem Land, das bei Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnimmt – sagt: Viele Tropfen ergeben einen Fluss.’

Viele Organisationen betrachten Nachhaltigkeit als Priorität, doch die Beurs van Berlage hat nun eigens eine dafür verantwortliche Position geschaffen. Warum war dieser Schritt notwendig?

‘Mit dieser Position zeigen wir, dass Nachhaltigkeit kein isoliertes Projekt ist, sondern ein strategischer Bestandteil der gesamten Organisation. Bereits zuvor geschah bei der Beurs van Berlage sehr viel in diesem Bereich, doch durch die Schaffung einer eigenen Rolle sorgen wir nun für mehr Fokus, Zusammenhalt und Dynamik. So erhält das Thema die Verantwortung und Kontinuität, die es benötigt.

Das passt zu unserer Vision Leading the Change: Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und diese Verantwortung aktiv in die Praxis umzusetzen.

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit weder eine Verpflichtung noch etwas, das man einfach ‚erledigen muss‘. Es geht vielmehr darum, eine Organisation mit Blick auf die Zukunft zu gestalten und ihren positiven Einfluss kontinuierlich, sinnvoll und nachhaltig zu vergrößern. Es geht darum, jeden einzelnen Tag Wege zu finden, ein kleines Stück mehr Wirkung zu erzielen.’

“Für mich hat Nachhaltigkeit nichts mit Verzicht oder erhobenem Zeigefinger zu tun, sondern damit, Dinge bewusster und intelligenter zu gestalten. Wenn man es richtig angeht, verstärken sich Wirkung, Qualität und wirtschaftlicher Erfolg sogar gegenseitig.”

Internationale Kongresse schaffen wertvolle Möglichkeiten für Wissensaustausch und persönliche Begegnungen, bringen jedoch auch einen erheblichen ökologischen Fußabdruck mit sich. Was bedeutet Nachhaltigkeit für die Beurs van Berlage im täglichen Betrieb?

‘Es geht darum, auf drei Ebenen positive Wirkung zu erzielen: ökologische Wirkung, gesellschaftliche Wirkung und Wirkung innerhalb der eigenen Organisation. Auf ökologischer Ebene arbeite ich unter anderem daran, Lebensmittelverschwendung strukturell zu reduzieren, den Übergang von Mineralwasser zu Leitungswasser voranzutreiben, unsere Abfallstation zu optimieren, um Restmüll drastisch zu verringern und mehr Rohstoffe wiederverwenden zu können, Verhaltensänderungen zu fördern sowie eine stärker kreislauforientierte Strategie zu entwickeln. Außerdem möchte ich unsere Lieferkette sowie den zirkulären Messe- und Ausstellungsbau kritisch hinterfragen. Denn ganz einfach: Was wir gar nicht erst einkaufen, müssen wir später auch nicht verarbeiten oder entsorgen.

Als historisches Wahrzeichen im Herzen von Amsterdam möchten wir zudem kontinuierlich prüfen, wie wir noch mehr zur Stadt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern beitragen können. Intern stärken wir unsere Organisation unter anderem durch die B-Corp-Zertifizierung, die wir noch in diesem Jahr erreichen möchten.’

Viele Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Unternehmensumfeld sind noch immer der Ansicht, dass nachhaltige Entscheidungen zulasten von Qualität, Komfort oder wirtschaftlichem Erfolg gehen. Wie sehen Sie das?

‘Ich sehe das tatsächlich genau umgekehrt. Nachhaltige Entscheidungen zwingen einen dazu, kritisch zu hinterfragen, was man tut und warum man es tut. In der Praxis führt das häufig zu intelligenteren Prozessen, weniger Verschwendung und letztlich zu einer höheren Qualität. Außerdem gewinnt man ein besseres Verständnis für die eigene Organisation und die Lieferkette, wodurch fundiertere Entscheidungen getroffen und neue geschäftliche Chancen erkannt werden können. Nachhaltige Investitionen sind dabei häufig auch finanziell rentabel und amortisieren sich langfristig selbst.

Gleichzeitig bin ich keineswegs eine moralische Instanz. Ich glaube nicht daran, Menschen zu belehren, und auch in meinem Privatleben bin ich alles andere als perfekt. Für mich geht es nicht um Perfektion, sondern um Fortschritt. Jeder Schritt nach vorne zählt. Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht, sondern Dinge bewusster und intelligenter zu gestalten. Wenn man es richtig angeht, verstärken sich Wirkung, Qualität und wirtschaftlicher Erfolg sogar gegenseitig.’

Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Woran würden Sie erkennen, dass Ihre Arbeit erfolgreich war?

‘Was mich antreibt, ist die Überzeugung, dass man tatsächlich etwas verändern kann. Ich sehe überall kleine Initiativen, die zeigen, dass es anders möglich ist. Alles, was dafür notwendig ist, existiert bereits im Kleinen. Wenn ein Viertel dieser Bewegung aus der Basis die breite Öffentlichkeit erreicht, entsteht ein Wendepunkt und kann die Transformation schnell voranschreiten, wie Jan Rotmans beschreibt.

Auch die Schnittstelle zwischen Verhalten, Kommunikation und Change Management finde ich besonders spannend. Dort wird Veränderung konkret. Ich mache Ideen gerne greifbar und sorge dafür, dass sie am Arbeitsplatz tatsächlich zu Verbesserungen führen.

Meine Töchter sind eine wichtige Motivation für mich. Sie verleihen meinem Engagement zusätzliche Dringlichkeit. Ich möchte zu einer Welt beitragen, die ein Stück besser und gerechter ist, weil sie und ihre Generation die Folgen des Klimawandels am stärksten erleben werden.

Natürlich gelingt das nicht allein, sondern nur gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, Lieferanten, Veranstaltern und Besucherinnen und Besuchern. In den kommenden Jahren möchte ich nicht nur nachhaltige Verbesserungen innerhalb der Beurs van Berlage umsetzen, sondern auch aktiv dazu beitragen, eine Blaupause für die gesamte Branche zu entwickeln. Indem wir wertvolles Wissen teilen, Best Practices sichtbar machen und den Dialog über nachhaltige Veranstaltungen offen vorantreiben, können wir unsere Rolle als Vordenker weiter stärken.

Für mich ist die Mission dann erfüllt, wenn nachhaltiges Denken ganz selbstverständlich Teil unserer Arbeits- und Entscheidungsweise geworden ist – sowohl innerhalb der Beurs van Berlage als auch weit darüber hinaus’